Ilija Matusko: «Jugo»
Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, dort eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft arbeitete und das Land dreissig Jahre später wieder Richtung Kroatien verliess. Und der Sohn, der in Berlin lebt, Schriftsteller geworden ist und im Gästehaus seines Vaters an der Adriaküste Urlaub macht. Im Streit befreien sie sich von den Dingen, die zwischen ihnen stehen. Und sie entdecken in scheinbar kleinen Momenten eine unerwartete Nähe: wenn sie, begleitet vom Jugo, dem warmen Südwind, mit dem Boot zur Insel vor der Bucht fahren, Tennis auf dem Platz eines verfallenen Hotels spielen oder den kleinen Acker der Familie in Bosnien besuchen. Nach und nach legen sie alte, zugewachsene Wege frei – zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte.

Ilija Matusko (*1980) ist Schriftsteller, Soziologe und Journalist. Er studierte Soziologie, Sozialpsychologie und Politikwissenschaften und lebt als freier Autor in Berlin. In seinem literarischen Debüt «Verdunstung in der Randzone» erzählt er von Herkunft, Klasse und dem Versuch, in einer neuen Welt anzukommen, ohne die alte ganz zu verlieren. Für den Text wurde er 2020 mit dem Literaturpreis Irseer Pegasus ausgezeichnet. «Jugo» ist sein erster Roman.
