Leon Engler: «Botanik des Wahnsinns»
Was soll das sein, ein normaler Mensch? Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Der Erzähler blickt einen Stammbaum des Wahnsinns. Die Grossmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Grossvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie nach New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie e in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren.

Leon Engler (*1989) ist Schriftsteller, Theater- und Hörspielautor und Psychologe. Er wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien- und Kulturwissenschaft sowie Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. «Botanik des Wahnsinns» ist sein erster Roman.
